Tennis Finale

Best-of-Five vs. Best-of-Three: Die Tennis-Gleichstellungsdebatte

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Das Tennis Finale bei einem Grand Slam folgt bis heute einer geteilten Logik: Herren spielen Best-of-Five, Damen Best-of-Three. Iga Swiateks 6:0, 6:0 im Wimbledon-Finale 2025 gegen Amanda Anisimova — der erste Double Bagel in einem Wimbledon-Endspiel seit 1911 und eine Erinnerung an Steffi Grafs 6:0, 6:0 gegen Natalia Zvereva bei den French Open 1988 — hat die Debatte über diese Ungleichheit neu entfacht. Ein Finale, das in 48 Minuten vorbei war, wirft die Frage auf: Würden drei Gewinnsätze den Damen-Endspielen mehr Tiefe, mehr Dramatik und letztlich mehr Zuschauer bringen?

Die Antwort ist weniger eindeutig, als es auf den ersten Blick scheint. Hinter der scheinbar simplen Formatfrage verbergen sich historische Präzedenzfälle, physische Argumente, wirtschaftliche Kalkulationen und eine Gleichstellungsdebatte, die den Tennissport seit Jahrzehnten begleitet. Zuschauer, die für Finale-Tickets mehrere Hundert Euro bezahlt haben und nach 48 Minuten den Centre Court verlassen, stellen andere Fragen als Turnierplaner, die Sendezeiten koordinieren müssen.

Historisch: Als die WTA Best-of-Five im Finale spielte

Was viele Tennisfans nicht wissen: Damen haben bereits Best-of-Five gespielt. Beim WTA-Masters, dem Saisonfinale der besten Spielerinnen, wurde von 1984 bis 1998 das Endspiel über drei Gewinnsätze ausgetragen — im Madison Square Garden in New York. Die Ergebnisse waren überzeugend: Drei der Finale in diesem Zeitraum gingen über die volle Distanz von fünf Sätzen.

1990 besiegte Monica Seles Gabriela Sabatini in fünf Sätzen. 1995 gewann Steffi Graf gegen Anke Huber über die volle Distanz, und 1996 setzte sich Graf erneut in fünf Sätzen durch, diesmal gegen Martina Hingis. Huber sagte damals: „Fünf Sätze sind toll für das Damentennis und toll für die Spielerinnen. Ich denke, man sollte dies im Finale der Grand-Slam-Turniere haben. Jede Spielerin kann das schaffen.“

1998 wurde das Format stillschweigend abgeschafft — offiziell aus Zeitgründen, inoffiziell, weil die TV-Sender kürzere Matches bevorzugten. Die Ironie: Genau diese TV-Sender klagen heute über zu kurze und damit weniger attraktive Damen-Finale. Das WTA-Experiment bewies, dass Fünfsatz-Finale im Damen-Tennis funktionieren. Drei von 14 Endspielen in diesem Zeitraum gingen über fünf Sätze — eine Quote, die zeigt, dass die Top-Spielerinnen das Format nicht nur überstanden, sondern mit ihm wuchsen. Die Matches, die über die volle Distanz gingen, gehörten zu den meistgesehenen WTA-Übertragungen ihrer jeweiligen Saison. Es verschwand trotzdem — ein Beispiel dafür, wie kurzfristige Sendeplanung langfristige sportliche Entwicklung behindert.

Pro und Contra: Physische, sportliche und wirtschaftliche Argumente

Die Befürworter von Best-of-Five für Damen argumentieren auf mehreren Ebenen. Sportlich bietet das längere Format mehr Raum für taktische Anpassungen und Comebacks. Ein Finale wie Swiateks 6:0, 6:0 wäre über drei Gewinnsätze anders verlaufen — Anisimova hätte nach dem Schock der ersten beiden Sätze Zeit gehabt, sich zu fangen. Die körperlichen Voraussetzungen der Top-Spielerinnen stehen außer Frage: Spielerinnen wie Sabalenka, Rybakina und Swiatek absolvieren regelmäßig Dreisatz-Matches von über zwei Stunden. Zwei weitere Sätze wären eine Steigerung, aber keine Überforderung.

Wirtschaftlich spricht das Argument der Sendezeit für das längere Format. Ein Damen-Finale, das in unter einer Stunde vorbei ist, füllt keinen Prime-Time-Slot. Die TV-Sender, die Millionen für Grand-Slam-Rechte zahlen, hätten ein Interesse an längeren, dramatischeren Endspielen. Die Zuschauerzahlen stützen diese These: Laut dem Grand Slam Rulebook 2025 werden Herren-Finale im Durchschnitt von deutlich mehr Zuschauern verfolgt — ein Muster, das auch mit der höheren Spannung durch das Fünfsatz-Format zusammenhängen dürfte. Beim US Open 2025 zog das Herren-Finale 3 Millionen Zuschauer auf ABC an, das Damen-Finale erreichte 2,4 Millionen auf ESPN. Die Differenz ist kleiner als erwartet, aber sie existiert — und ein längeres, dramatischeres Damen-Finale könnte sie weiter schließen.

Die Gegenargumente sind weniger offensichtlich, aber nicht weniger gewichtig. Die Turnierplanung würde komplizierter: Ein Fünfsatz-Damen-Finale braucht mehr Zeit im Stadionzeitplan. Die physische Belastung über ein zweiwöchiges Grand-Slam-Turnier steigt erheblich — nicht nur im Finale, sondern in jeder Runde, wenn das Format durchgängig auf Best-of-Five umgestellt würde. Und es gibt die Stimmen, die argumentieren, dass Best-of-Three nicht per se weniger wertvoll ist — sondern einfach ein anderes Format mit eigener Dynamik.

Ein Kompromissvorschlag, der in den vergangenen Jahren an Traktion gewonnen hat: Best-of-Five ausschließlich im Finale, nicht in den vorherigen Runden. Das WTA-Masters hat genau dieses Modell von 1984 bis 1998 praktiziert. Es würde die Damen-Endspiele aufwerten, ohne den gesamten Turnierplan zu verändern. Laut dem ITF Grand Slam Rulebook liegt die Entscheidung bei der ITF und den Turnierveranstaltern — die WTA allein kann die Änderung nicht beschließen.

Was Spielerinnen, Experten und Fans sagen

Die Spielerinnen sind gespalten. Aryna Sabalenka hat sich öffentlich für Best-of-Five in Finalen ausgesprochen. Iga Swiatek ist vorsichtiger — nach ihrem 6:0, 6:0 in Wimbledon sagte sie, das Format sei „eine Diskussion wert“, ohne sich festzulegen. Die niederländische Grand-Slam-Siegerin Betty Stöve formulierte es 1976 unmissverständlich: „Wir kämpfen nicht um Geld. Alles, was wir wollen, ist Gleichheit.“ An der Kernforderung hat sich seitdem nichts geändert — nur der Kontext.

Boris Becker und Andrea Petkovic sprachen sich nach dem Wimbledon-Finale 2025 für eine Petition zugunsten von Best-of-Five in Grand-Slam-Endspielen der Damen aus. Eurosport-Expertin Barbara Rittner betonte, dass das kurze Finale „die falsche Botschaft“ sende — gerade in einer Zeit, in der die WTA-Tour um Gleichstellung kämpft. Der Gender Pay Gap an der Spitze des Tennis betrug 2025 laut Sportico noch 23 Prozent zwischen den Top-10-Verdienern bei Herren (87,8 Millionen Dollar) und Damen (71,3 Millionen). Eine Angleichung des Formats könnte ein symbolischer und praktischer Schritt sein, diese Lücke zu schließen — nicht weil Best-of-Five direkt mehr Preisgeld bringt, sondern weil längere, dramatischere Finale höhere TV-Quoten generieren und damit die Verhandlungsposition der WTA bei Rechte-Deals stärken.

Die Fans, befragt in Online-Umfragen nach dem Swiatek-Anisimova-Finale, sprachen sich mit deutlicher Mehrheit für Best-of-Five in Grand-Slam-Endspielen aus. Ob die ITF und die Turnierveranstalter dieser Stimmung folgen, bleibt offen. Regeländerungen im Tennis dauern erfahrungsgemäß Jahre — der 10-Punkte-Tiebreak im Entscheidungssatz brauchte von der ersten Diskussion bis zur Umsetzung über ein Jahrzehnt.

Fazit

Gleiche Bühne, gleiche Regeln? Die Debatte ist berechtigt, die Argumente auf beiden Seiten stichhaltig. Was feststeht: Das WTA-Experiment der 1980er und 1990er Jahre hat bewiesen, dass Best-of-Five für Damen funktioniert. Die Spielerinnen haben die physische Kapazität. Die Zuschauer haben den Wunsch. Die TV-Sender haben das wirtschaftliche Interesse.

Ob der politische Wille für eine Reform existiert, ist eine andere Frage. Regeländerungen im Tennis dauern erfahrungsgemäß Jahre — der 10-Punkte-Tiebreak im Entscheidungssatz brauchte von der ersten Diskussion bis zur Umsetzung über ein Jahrzehnt. Bis dahin bleibt das Damen-Tennis mit einem Paradox leben: Spielerinnen, die physisch in der Lage wären, fünf Sätze zu spielen, dürfen es nicht — und Zuschauer, die sich längere Finale wünschen, müssen sich mit Best-of-Three zufriedengeben. Das nächste 48-Minuten-Finale wird die Debatte erneut befeuern. Die Frage ist nur, ob die Entscheider dann endlich zuhören.